Kosmos Kunstsalon

Just den Begriff Kunstsalon gegoogelt, lande ich bei meiner Erkundungstour im Jahre 1667 (300 Jahre vor meiner Geburt): Louis XIV. zeigt im Salon de Paris erstmalig öffentlich seine Sammlung mit Werken der Hofmaler. Ich wusste bis dato nicht, dass so die Ausstellung im heutigen Sinne geboren ward.

Frankreich blieb auch danach führend, ob der Salon von Gertrude Stein (ab 1903) oder George Sand in Paris. Romane und Biografien machen das damalige gesellschaftlich-intelektuelle Leben wieder lebendig.

Bücher über Salonnières. Berühmte Frauen und ihre Kunstsalons
Bücher über Salonnières: Biografien und Romane zu berühmten Frauen und ihren Kunstsalons.

Aber auch in Berlin, und um den Blauen Reiter in München und Murnau entstehen Kunstsalons. Marianne von Werefkin, eine russische Gräfin, war nicht nur Malerin sondern auch als Salonnière bekannt.

Emil Richters Kunst-Salon. Anzeige aus dem März 1902.

In Deutschland lud der Königliche Hofkunsthändler Emil Richter in Dresden zum gesellschaftlichen Stelldichein und brachte so Künstler und bürgerliche Kaufinteressenten in seinem Kunstsalon (1848 - 1930) zusammen.

Mir zeigt es, dass es starke Macher oder intellektuell anziehende, großzügige Persönlichkeiten braucht für einen erfolgreichen Kunstsalon.

Renaissance eines alten Formats

Silke Gottschalks (DKS) Erklärung für die Renaissance solcher Veranstaltungen: „In Zeiten der Digitalisierung wird das Bedürfnis nach echtem, persönlichen Kontakt, das zutiefst menschlich ist, noch sichtbarer.“

In der Augsburger Allgemeine heisst es über den Landsberger Kultursalon im Dezember 2017: „Gerade in Zeiten des Internets und der Globalisierung scheint derzeit eine neue Sehnsucht nach echtem Austausch zu entstehen, und man besinnt sich vielerorts der ehemaligen Salonkultur…“ . Sowohl der Diessener als auch der Landsberger Salon knüpfen demnach „an eine Geselligkeitskultur, die in intellektuellen Zirkeln vom 18. bis zum 20. Jahrhundert ‚en vogue‘ war, nach dem Ersten Weltkrieg jedoch wieder aus der Mode kam.“

Katrin Bach. Künstlerin aus Bernried/Starnberger See
Katrin Bach, eine Mitausstellerinnen beim DKS aus Bernried am Starnberger See, zur Zukunft dieses Formats: „Ich bin mir noch nicht so sicher, ob es eine Renaissance ist, ich hoffe es."

Dass dieses Geselligkeits-Format wieder im Trend liegt, bestätigt meine Ausbeute in Google für den deutschsprachigen Raum. Eine Vielzahl an zeitgenössischen Kunstsalon-Projekten in unterschiedlicher Ausprägungen wird mir aufgelistet.

Ob in der damaligen Hochburg Berlin, in Köln, Hannover oder München, in Zürich (CH) oder Linz (A) und sogar in ländlichen Regionen wie bei uns am Ammersee.

Ich bin überrascht: Von der kuratierten Ausstellung mit Rahmenprogramm wie der DKS als auch der Zusammenschluss verschiedener Künstler per Produzenten-Galerie ohne drumherum, bis zur Einladung zu Treffen an Ausstellungsorten direkt oder anderen öffentlichen Räumen mit Gesprächsrunden und Vorträgen.

Aber auch der klassisch-bürgerlichen Tradition folgende Veranstaltungen in eher privatem Rahmen mit Gästeliste, und im Gegensatz dazu aus Privatinitiativen entstandene gemeinnützige Vereine, die sich auf die Fahne geschrieben haben, Kunst und Kultur nachhaltig zu fördern und diese in der Gesellschaft zu stärken.

Alle nennen sich oder ihre Aktivitäten Kunstsalon. Eine Auswahl davon habe ich unter Kunstsalon heute zusammengestellt.

Kunstsalon als Ausstellungstitel

Über den KUNSTSALON 2017 der Freien Münchner und Deutschen Künstlerschaft e.V. (FMDK) heisst es auf der Homepage zur Intension:

„Zeitgenössisches Kunstschaffen aus dem Blickwinkel der Aktiven zeigen“ – das war die grundlegende Zielsetzung des Kunstsalons und ist bis heute der Anspruch, der größtmögliche Autarkie und Pluralismus gewährleistet." Es wird gezeigt, was heute in den Ateliers entsteht, unabhängig von Bewertungen Dritter, so wie es der Tradition der Pariser Salons entspricht, als Künstler sich gegen das Diktat der Händler und Museumskuratoren zur Wehr setzten.

 

Nicht zu vergessen die vielen Galerien, bei denen der Zusatz Kunstsalon im Namen steht. Ausnahme Galerie Christine Knauber in Berlin, wie sie ganz bewusst in ihrer Eröffnungsrede zur Namensgebung erklärt: "Ich habe es nicht getan, weil allzu viele Orte in Berlin sich auf diese historische Begrifflichkeit beziehen, ohne jedoch wirklich einzulösen, wofür sie steht."